21./22.09.2021

Interpretationsverfahren und didaktische Referenzkonzepte der germanistischen Literaturdidaktik

Digitale Tagung

Veranstalterin:

Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd

Institut für Sprache und Literatur

Abteilung Deutsch mit Sprecherziehung

Konzeption und Organisation:

Sebastian Bernhardt

Thomas Hardtke

unterstützt mit finanziellen Mitteln der

Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd

Virtueller Tagungsraum (Zoom):

https://us02web.zoom.us/j/81751547546?pwd=UGVJMnFhYklaaEd4K1Mwa0cydExEdz09
Meeting-ID: 817 5154 7546
Kenncode: 758748

2000px-PH_Schwaebisch_Gmuend_Logo.svg (002).png

Ziel der Tagung ist es, herauszufinden, welche impliziten und expliziten Vorannahmen die literaturdidaktische Textinterpretation und anschließende -didaktisierung leiten, welche Zu-sammenhänge zwischen der Textarbeit und deren didaktischer Perspektivierung bestehen. Dabei soll es darum gehen, die Bezüge zwischen literaturwissenschaftlichen und literaturdi-daktischen Arbeitstechniken zu explizieren und unterschiedliche Arten literaturdidaktischer Textarbeit in den Blick zu nehmen. Untersucht werden soll ferner, wie aktuelle Theorie-angebote (Interkulturalität, Gender, Intertextualität, Autortextualität) rezipiert, mit den Interpretationspraktiken verknüpft und ggf. didaktisch reduziert werden.

Zeitschriften wie „Literatur im Unterricht“, einige Themenhefte von „Praxis Deutsch“, Schriftenreihen wie „Beiträge zur Didaktik der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“ und thematische Überblickswerke wie Mikota/Wrobel: „Flucht-Literatur“ oder Standke/Spinner: „Erzählende Kinder- und Jugendliteratur im Deutschunterricht“ nehmen literarische Texte in den Blick, indem sie auf Basis einer Interpretation und Analyse zu einer Auseinanderset-zung mit der unterrichtlichen Eignung und Didaktisierung dieser Texte gelangen. Im Gegensatz zu der Erforschung der Lernprozesse, in deren Rahmen eine intensive Reflexion der eigenen Methodologie erfolgt, werden im Rahmen der Textinterpretationen und Text-didaktisierungen die methodischen Grundlagen weitaus weniger expliziert und auch die Einleitungen zu den Sammelbänden bieten keine explizit ausgewiesene Methodologie.

Sowohl in den oben genannten Schriftenreihen, als auch in der konkreten Planung unterrichtlicher Schritte spielt der Vorgang der Interpretation eine zentrale Rolle, wobei eine klar ausbuchstabierte Kartographie literaturdidaktischer Textinterpretationsmethodolo-gie ein Desiderat darstellt. Dieses Desiderat soll im Rahmen der Tagung erforscht werden.

Zusätzlich zielt die Konferenz auf eine Positionsbestimmung der Methodologie literaturdi-daktischer Textinterpretationen ab. Dabei soll einerseits Klarheit über unterschiedliche ziel-gruppenbezogene Formate und Zielsetzungen der Textinterpretation im literaturdidak-tischen Kontext herbeigeführt und andererseits eine Diskussion über die Methodologie an-gebahnt werden. Umgreifende Klammer ist die Frage nach dem Verhältnis von germanisti-scher Literaturwissenschaft und germanistischer Literaturdidaktik in Bezug auf die Textinter-pretation und die darauf aufbauende Didaktisierung. Anders als bei der durch die Roma-nistik der Universität Bremen durchgeführten Tagung „Kontrovers: Literaturdidaktik meets Literaturwissenschaft“ (08.03.-09.03.2018) geht es in der geplanten Tagung also nicht darum, das Verhältnis der beiden Disziplinen in unterschiedlichen Fachkontexten (Roma-nistik, Anglistik, Germanistik, …) zu bestimmen, sondern um die Frage nach der konkreten Ausgestaltung der Interpretation literarischer Texte und nach der darauf aufbauenden didaktischen Perspektivierung im Bereich der germanistischen Literaturdidaktik.

Neben der Bestimmung des Verhältnisses der germanistischen Literaturdidaktik zur germa-nistischen Literatur-wissenschaft soll darüber hinaus auch thematisiert werden, welchen Stellenwert die didaktischen Modulationen in der literaturdidaktischen Textarbeit ein-nehmen. So werden in literaturdidaktischen Beiträgen zu literarischen Einzeltexten zum Teil Ideen für einen unterrichtlichen Einsatz skizziert, in anderen Beiträgen hingegen Konzepte literarischen Lernens mit den Analyseergebnissen zusammengebracht oder aber im klas-sisch allgemeindidaktischen Sinne Reduktionen vorgeführt. Hierbei soll die Tagung eine Klarheit über verschiedene Methoden der didaktischen Perspektivierung herbeiführen und geeignete Referenzkonzepte als Orientierungsrahmen diskutieren.

Michael Baum wirft der Literaturdidaktik in seiner aktuellen Monographie „Der Widerstand gegen Literatur“ unter anderem „verkürzte Formen der Theorierezeption“ gerade in Bezug auf die Interpretationen von Texten vor. Im Rahmen der Tagung wird auch zu klären sein, inwiefern Baum mit seiner Kritik überhaupt das Wesen der Literaturdidaktik angreift, ist es doch nicht selbstverständlich, dass die Literaturdidaktik überhaupt Bezüge zu literatur-wissenschaftlicher Theorie herstellen müsste.